Interview mit Joe Navarro: So unterscheidest du zwischen Wahrheit und Lüge

Joe Navarro

Joe Navarro ist ein langjähriger FBI-Agent und gehört zu den besten „menschlichen Lügendetektoren“ weltweit. Navarros Aufgabe war es, Spione, Mörder und Verbrecher anhand ihrer Körpersprache zu überführen. Das deutsche Magazin merkur führte ein Interview mit Navarro, und dieses möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten. Für jene unter euch, die keine Möglichkeit haben, das Video anzuschauen (zum Beispiel, weil ihr gerade unterwegs seid oder über eine sehr langsame Internetverbindung verfügt), stelle ich den Inhalt des Videos weiter unten noch als Textversion zur Verfügung.

Buchtipp

Joe Navarro ist der Autor des Buches Menschen lesen. Darin beschreibt er exakt, wie man sein Gegenüber durchschaut, wie man Gefühle und Verhaltensweisen präzise entschlüsselt, Fallstricken ausweicht und souverän Körperhaltung und Mimik entlarvt, die in die Irre führen sollen. Von Kopf bis Fuß werden Gesten, Haltung und Mimik unter die Lupe genommen und nach dem neuesten Stand der Forschung analysiert.

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Über das Video

Täuschung und Betrug zu erkennen, ist sehr schwierig. Auch die besten Experten kommen nie auf eine Trefferquote von 100 Prozent. Im Schnitt liegt sie gerade einmal bei rund 60 Prozent, wie Studien zeigen.

Woran kann man also Täuschung erkennen?

Navarro und seine Kollegen halten vor allem Ausschau nach Anzeichen dafür, dass die Frage den Befragten beschäftigt, ihn stört oder verunsichert.

Man stellt jemandem eine einfache Frage. Zum Beispiel: „Schaffst du es, das Auto um drei Uhr morgens zurück zu bringen?“. Wenn er sich bei einer solchen Frage an den Hals fasst, ist das ein sicheres Zeichen, dass es ein Problem gibt.

Ein anderes Merkmal sind die Lippen; zum Beispiel, wenn sie verschwinden oder man sich auf die Lippen beißt.

Was man auch sehr oft sieht: Dass sich jemand die Hand vor Augen führt, also den Blickkontakt unterbricht, es vermeidet, einen anzuschauen. Diese Geste würde bei der Frage „Herr Navarro, können Sie mir morgen beim Umzug helfen?“ bedeuten, dass er es zwar macht, aber eigentlich keine Lust dazu hat.

Das Bedecken der Augen zeigt an, dass dem Gegenüber die Frage nicht gefällt. Das muss nicht einmal unbedingt eine bewusste Täuschung sein.

Wenn es wirklich schlimm steht, reiben wir unsere Handinnenflächen aneinander. Man sieht das beispielsweise, wenn der Mann die Scheidung will oder wenn jemand dem anderen schlechte Nachrichten übermitteln muss. Das sind Strategien, die uns beruhigen sollen. Das Gehirn benötigt solche ausweichenden Strategien. Uns als Beobachter sagt das: Etwas verunsichert den Befragten.

Gibt es Leute, die man kaum durchschauen kann?

Es gibt Leute, die unglaublich gut darin sind, andere zu täuschen. Dazu gehören zum Beispiel Psychopathen, die geradezu als Raubtier in unserer Gesellschaft mitten unter uns leben. Außerdem Politiker, Geschäftsleute und Menschen, die ihr Leben lang gelogen haben.

Bis man nicht wirklich die Wahrheit kennt, die ganze Geschichte kennt, kann man sie nicht wirklich lesen.

Generell ist es für Lügner einfacher, eine Geschichte zu erzählen, als Fragen beantworten zu müssen. Oft erzählen ja gerade Politiker einfach nur eine Geschichte. Um dann die Wahrheit herauszufinden, ist es gut, Fragen zu stellen.

Kommentare

  1. Peter Kozma sagt:

    Ihre Bücher sind mir von Nutzen.
    Wann gibt es von Ihnen die nächsten Bücher? (tiefgreifender)
    Eine Antwort auf meine Mail? Danke!

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