Die Wahrheit hinter „Lie to Me“ und „The Mentalist“

Lie to me

Lie to me läuft auf dem deutschen TV-Sender Vox und gehört zu den beliebtesten Serien im deutschsprachigen Fernsehen. Doch wie real ist das, was dort gezeigt wird, wirklich? Können wir wirklich so leicht erkennen, wie andere Menschen denken? Die Antwort dürfte euch überraschen.

Bei Lie to me geht es um Dr. Cal Lightman (welcher auf dem bekannten US-Psychologen Paul Ekman basiert) und seine Mitarbeiter der Lightman Group. Sie arbeiten oft für staatsnahe Betriebe oder auch private Kunden und helfen bei den Untersuchungen, indem sie Lügner entlarven und die Wahrheit herausfinden. Dies tun sie über das Lesen der Körpersprache.

Die Serie erweckt oft den Eindruck, es sei sehr leicht, die Körpersprache und Mikroexpressionen anderer Leute zu lesen und zu deuten.

Doch ist es das wirklich? Die Antwort könnt ihr euch bestimmt denken: Ganz so einfach wie im TV ist es natürlich nicht. Ich würde sagen, es ist sogar sehr schwierig. Laut Paul Ekman – und der ist ja wirklich vom Fach – kommt Otto Normalverbraucher gerade einmal auf eine Trefferquote von 50%. Wir könnten also ebenso gut einfach eine Münze werfen.

Dass hinter Aussagen wie „wer nach unten schaut, der lügt bestimmt“ nicht wirklich viel steckt, habe ich bereits im Artikel 5 Mythen in der Deutung der Körpersprache geschrieben. Aber auch beim Anschauen der Lie to me-Folgen müssen wir aufpassen. Nur weil die „Experten“ dort in einer Szene eine bestimmte Geste als Täuschung bezeichnen, heißt das noch lange nicht, dass jeder, der diese Geste macht, ein Lügner ist. Wir dürfen nämlich den Kontext und das Umfeld nie außer Acht lassen und müssen die Baseline unseres Gegenübers kennen, bevor wir uns ganz sicher sein können.

Ekman fand heraus, dass es unter rund 14’000 getesteten Personen gerade einmal etwa 30 Menschen gibt, die verdammt gut darin sind, Lügen bei ihren Mitmenschen zu erkennen. (Über diese sogenannten „Wizards“ werde ich zu einem späteren Zeitpunkt einen ausführlicheren Beitrag schreiben.) Diese Zahl zeigt, dass es nur ganz wenige Personen gibt, die weit über die oben erwähnten 50% kommen.

Eine der Emotionen, welche in der Sendung Lie to me am häufigsten „aufgedeckt“ werden, ist Verachtung. Das könnte dazu führen, dass auch wir im Alltag vermehrt auf entsprechende Anzeichen achten und immer öfters Verachtung in den Gesichtern unserer Mitmenschen zu erkennen glauben. Doch genau davor sollten wir uns hüten!

Es gibt nämlich keine „Verachtungs-Geste“, welche für sich alleine ein klares Anzeichen für Verachtung ist. Wir müssen immer nach Clustern suchen; auch wenn wir die Mikroexpression für Verachtung erkennen oder zu erkennen glauben.

Wir müssen nach Gesten und Mikroexpressionen suchen, die unsere erste Vermutung unterstützen. Erst wenn wir mindestens drei gleichartige Anzeichen gefunden haben, können wir relativ sicher sein, dass wir mit unserer Vermutung richtig liegen.

Und außerdem: Verachtung muss nicht gleich Täuschung sein; es können durchaus auch andere Gründe der Auslöser sein. Wer zum Beispiel nicht viel von der Polizei hält, könnte bei deren Erscheinen Verachtung zeigen. Und dies ganz unabhängig davon, ob er etwas verbrochen hat oder nicht.

Fazit

Serien wie Lie to Me oder The Mentalist sind extrem spannend und unterhaltsam. Ich finde beide Serien toll! Wir dürfen jedoch nicht denken, dass wir durch das Anschauen dieser TV-Sendungen nun zu Körpersprache-Experten werden. Aber diese Sendungen können das Interesse an der Thematik wecken und dafür sorgen, dass sich jemand leicht verständliche Bücher zum Thema kauft, die von wirklichen Experten geschrieben wurden.

Solche Bücher findest du zum Beispiel hier in diesem Amazon-Shop…

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