Wie du Lügner am Arbeitsplatz erkennst

Lügen am Arbeitsplatz erkennen

Gelogen wird grundsätzlich überall. Der Arbeitsplatz ist da keine Ausnahme. Da es sich bei unseren Arbeitskollegen normalerweise um uns (mehr oder weniger) bekannte Menschen handelt, gibt es Tricks, wie wir sehr rasch erkennen, ob wir angelogen werden. Darüber schreibe ich in diesem Artikel.

Bild: Scott Schiller

  • „Sie können auf meine Unterstützung zählen.“
  • „Es war nicht mein Fehler.“
  • „Sie stehen kurz vor der Beförderung.“

Habt ihr solche Sätze bei der Arbeit auch schon gehört? Und habt ihr euch damals nicht gewünscht, ihr könntet mit Sicherheit sagen, ob sie der Wahrheit entsprechen. Nun, genau das lernt ihr heute in diesem Artikel.

Es ist zwar nicht ganz so leicht, wie es die US-Serien Lie to Me und The Mentalist suggerieren, aber mit etwas Übung und dem entsprechenden Wissen könnt ihr durchaus die eine oder andere Lüge entlarven.

Erhöhter Stressfaktor wegen Lüge

Bei der Mehrheit eurer Mitarbeiter und Vorgesetzter führen Lügen zu erhöhtem Stress. Das ist wissenschaftlich bewiesen: Daniel Langleben, Psychiater bei der University of Pennsylvania, fand heraus, dass unser Gehirn viel mehr arbeiten muss, um eine Lüge zu konstruieren. Zuerst muss das Gehirn bewusst den Schalter von der Wahrheit zur Lüge umlegen. Und sobald wir zu lügen beginnen, müssen wir mit Emotionen wie Schuld, Sorge und der Angst, erwischt zu werden, umgehen.

Um jemanden der Lüge zu überführen, müssen wir zuerst seine Baseline kennen. Erst, wenn wir wissen, wie er sich unter ruhigen, entspannten Bedingungen verhält, können wir auch feststellen, ob er eine Lüge erzählt.

Denn: Es gibt kein Zeichen, welches eine Lüge ganz klar signalisiert, sondern es sind immer die Abweichungen vom Grundverhalten, die uns wertvolle Hinweise geben.

Glücklicherweise kennen wir die Baseline der meisten unserer Mitarbeiter. Wir arbeiten ja täglich mit ihnen zusammen, häufig sogar im gleichen Büro. Wir kennen ihre Stimmlage, ihr Sprechtempo, ihre typischen Gesten und ihre Ticks.

Das erleichtert es uns ungemein, Abweichungen von diesem Normverhalten zu erkennen.

Abweichungen vom Normverhalten haben immer einen Grund. Es kann sein, dass die Person in diesem Moment lügt, es kann aber auch sein, dass sie mit anderen unangenehmen Gedanken konfrontiert ist. Wer einen schwerkranken Sohn hat, verhält sich bei der Arbeit anders, als wenn zu Hause alles in bester Ordnung ist.

Lügen am Arbeitsplatz erkennen

Zu den größten Körpersprache-Lügen gehört das Märchen, dass Lügner einem weniger oft in die Augen schauen. Das ist blanker Unsinn! Oft ist sogar genau das Gegenteil der Fall.

Außerdem können wir uns sowieso nie auf ein einziges Signal verlassen, wenn wir Lügen erkennen wollen. Viel wichtiger ist es, nach Clustern Ausschau zu halten.

Wenn ihr klare Abweichungen von der Baseline eines Arbeitskollegen erkennt und außerdem ein Cluster, welches mindestens drei der folgenden Signale enthält, dann solltet ihr durchaus mal genauer hinschauen:

1. Ein gefaktes Lächeln
Es ist extrem schwierig, ein echtes Lächeln zu erzeugen, während man lügt. (Bei einem echten Lächeln bilden sich „Krähenfüße“ an den äußeren Augenenden. Bei einem vorgetäuschten Lächeln ist nur der Mund involviert.)

2. Unübliche Antwortzeit
Wenn die Lüge geplant und eingeübt ist, kommen die Antworten schneller als üblich. (Hier geht es wieder um die Baseline!) Wenn die Frage, die man mit einer Lüge beantwortet, überraschend kommt, dauert es üblicherweise länger, bis man antwortet. Denn der Prozess, um zuerst die Wahrheit zu unterdrücken und danach die Lüge zu generieren, dauert nun einmal eine gewisse Zeit.

3. Verbale Abweichungen
Wenn jemand lügt, wird die Stimme oft höher. Lügner antworten außerdem vielfach ausschweifend, ohne dabei auf die konkret gestellte Frage einzugehen. Und ihre Antworten enthalten oft Aussagen wie „So weit ich weiß“, „Ich schwöre bei Gott“ oder „Um ehrlich zu sein“.

4. Wiederholung der Frage
Wenn dein Gegenüber deine Frage fast wortwörtlich wiederholt, obwohl er sie eigentlich ganz gut verstanden hat, solltest du vorsichtig sein. Wenn du ihn also fragst: „Sagst du die Wahrheit?“ und er antwortet: „Ob ich die Wahrheit sage?“, dann hast du deine Antwort bereits.

5. Unter- oder Überproduktion von Speichel
Häufiges Trinken oder Schlucken steht für eine Unter- oder Überproduktion von Speichel. Dies tritt häufig auf, wenn jemand unter Stress steht.

6. Erweiterte Pupillen
Auch der beste Lügner kann es nicht verhindern: Wenn man angespannt ist oder sich konzentriert, erweitern sich häufig die Pupillen.

7. Schnellere Blinzelfrequenz
Unter normalen Umständen blinzeln wir etwa 15 bis 25 Mal in der Minute mit unseren Augen. Wenn wir nervös sind (zum Beispiel bei einer Lüge), erhöht sich diese Frequenz deutlich. Bill Clinton zum Beispiel blinzelte 92 Mal in der Minute, als er bestritt, eine Affäre mit Monica Lewinski zu haben.

8. Bewegungen der Füße
Lügnern merkt man ihre Nervosität vielfach dadurch an, dass ihre Füße unruhiger werden. Jede Bewegung der Füße, die in der Baseline nicht gezeigt wurde, sollte unsere Aufmerksamkeit erregen.

9. Berührungen im Gesicht
Die Nase einer Person wächst nicht, wenn sie lügt. Das gibt es nur im Märchen. Aber: Wenn jemand lügt oder kurz davor steht, reibt er sich oft die Nase. Der Grund dafür liegt darin, dass sie bei Stress stärker durchblutet wird und dann häufig unangenehm zu jucken beginnt. Außerdem müssen wir auf das Verdecken des Mundes durch die Hände und Berührungen in der Nähe der Augen achten. Zusammenfassend: Sobald eine Hand ins Gesicht wandert, müssen wir aufmerksam sein.

10. Inkongruenz
Wenn eine Person an das glaubt, was sie sagt, unterstützt sie das mit ihren Gesten, mit ihrer Mimik und ihrem Auftreten. Vorsichtig sein müssen wir, wenn die körpersprachlichen Signale dieser Person nicht zu ihren Worten passen: Kopfschütteln während sie „ja“ sagt, auf den Boden starren während sie vorgibt, glücklich zu sein und ähnliche Unstimmigkeiten.

11. Plötzliche Veränderungen in der Körpersprache
Im normalen Alltag legen wir eine bestimmte Intensität an Körpersprache an den Tag. Wir „sprechen“ durchaus auch mal mit den Händen, verraten viel über unsere Gesichtsmimik oder variieren Stimmhöhe und Lautstärke. Bei Lügner kann sich dieses Normverhalten plötzlich ändern. Sie werden zum Beispiel sehr ruhig und zeigen fast keine Körpersprache mehr oder es trifft genau das Gegenteil ein und sie gestikulieren viel heftiger als üblich. Wenn dann noch beruhigende Gesten (im Fachjargon: Pacifying Gestures) hinzukommen, wie zum Beispiel Händereiben, auf die Lippen beißen, mit Schmuck spielen, Haare oder Hals berühren, dann sollte das unsere Aufmerksamkeit erregen.

12. Mikroexpressionen
Ohne Übung ist es sehr schwer, bei anderen Menschen die sogenannten Mikroexpressionen zu erkennen. Dabei handelt es sich um flüchtige Veränderungen im Gesicht, welche die wahren Emotionen eines Menschen zeigen. Man kann aber lernen, diese Mikroexpressionen zu erkennen! Ein sehr gutes Buch hierfür ist Gefühle lesen: Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren, welches ich selber bereits gelesen habe und deshalb wärmstens empfehlen kann. Wenn ihr in der Lage seid, diese flüchtigen Signale zu deuten, könnt ihr bereits viel besser Wahrheit von Lüge unterscheiden.

Wenn ihr mindestens drei dieser 12 Merkmale bei eurem Gegenüber erkennt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er euch anlügt. Hier lohnt es sich, genauer nachzufragen und der Sache auf den Grund zu gehen.

Kommentare

  1. Karola Höhne sagt:

    Diese 12 Merkmale sind sehr Interessant.

  2. Michael Kirchhoff sagt:

    Die Paul Ekman Group bietet auch ein sehr gutes Online Training an, das ich auch empfehlen kann. https://www.paulekman.com/products/

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