5 Mythen in der Deutung der Körpersprache

Aus der Körpersprache unserer Mitmenschen können wir mit viel Übung und dem entsprechenden Wissen einiges herauslesen. Regelmäßige Leserinnen und Leser meines Blogs werden lernen, wie sie die nonverbalen Zeichen der Menschen deuten können.

Das Problem dabei: Da draußen gibt es viele Experten, die andauernd irgendwelche Unwahrheiten erzählen. Dadurch entstanden leider viele Mythen rund um die Körpersprache. Heute werde ich einige dieser Mythen widerlegen.

Bild: (BY-NC-SA) I, Timmy

Nach dem Lesen dieses Artikels kann euch niemand mehr täuschen. Ihr werdet die bekannten Mythen kennen, ihr werdet wissen, dass nichts dahinter steckt und ihr werdet euch besser konzentrieren können auf jene nonverbalen Signale, die wirklich etwas über das Gegenüber aussagen. Ihr werdet dank diesem Artikel euren nächsten Schritte in Richtung Körpersprache-Experte machen.

Körpersprache deuten: Intensiver Augenkontakt gleich Lüge?

In meinem Umfeld wissen viele, dass ich mich intensiv mit Körpersprache beschäftige. Nicht wenige wollen dann ziemlich rasch mal wissen, wie ich denn erkenne, ob jemand lügt. Leider gibt es keine Geste, die per se auf Lügen schließen lässt. Ich kann also nicht sagen: „Wenn jemand das und das macht, dann lügt er garantiert.“ So einfach ist es nicht. Aber es gibt bestimmte Muster (Cluster), die auf Unwahrheiten schließen lassen, beziehungsweise die mir zeigen, dass ich bei einem bestimmten Punkt genauer nachhaken und eventuell nochmals nachfragen muss.

Oft höre ich dann ziemlich rasch von den Leuten, dass sie etwas ganz bestimmt wüssten: „Wenn mir jemand nicht in die Augen schauen kann, dann lügt er!“ Nun, es tut mir schrecklich Leid, wenn ihr bisher auch dieser Ansicht ward, aber leider muss ich euch mitteilen: Das ist Quatsch. Diese Meinung ist eine der größten Mythen in der Welt der Körpersprache.

Eine Studie des renommierten Wissenschaftlers und Psychologen Paul Ekman zeigte nämlich genau das Gegenteil: Es ist sogar so, dass Lügner einem eher in die Augen schauen! Vielleicht auch gerade deswegen, weil auch sie an den oben erwähnten Mythos glauben und mit dem direkten Blick in die Augen ihrer Gesprächspartner ehrlicher wirken wollen.

Notorische Lügner werden nie Probleme damit haben, euch in die Augen zu schauen und das Blaue vom Himmel herunterzulügen.

Wenn jemand in einem Gespräch tatsächlich eurem Blick immer wieder ausweicht, dann hat das eher etwas mit Unsicherheit oder Schüchternheit zu tun, als mit Unwahrheit. Vielleicht aber ist die Person auch einfach nur nervös oder muss öfters mal angestrengt nachdenken.

Vor allem bei letzterem Punkt fällt es einem schwer, dem Gegenüber in die Augen zu schauen. Wenn ihr etwas gefragt werdet und ihr intensiv darüber nachdenken müsst, dann wendet ihr den Blick fast automatisch vom Gegenüber ab.

Kurze Frage: Was hast du vorgestern morgens um 10:00 Uhr gemacht?

Hat sich dein Blick, als du die Antwort auf diese Frage suchtest, vom Computer-Bildschirm abgewendet? Ist der Blick womöglich nach unten gewandert? Siehst du, genau das meine ich!

Erst recht vorsichtig sein solltet ihr, wenn ihr im Urlaub immer wieder Leuten begegnet, die euch nicht in die Augen schauen können. In gewissen Kulturen ist es einfach so, dass es nicht höflich ist, jemanden „anzustarren“.

Die Prinz Charles-Geste: Hände hinter dem Rücken

Ist euch schon einmal aufgefallen, wie Prinz Charles oft fotografiert wird? Meistens hat er dabei die Hände hinter dem Rücken, so wie auf diesem Bild:

Aufgrund dieser Prinz Charles-Geste glauben tatsächlich viele Leute in Großbritannien, aber auch andernorts in der Welt, diese Geste stünde für Macht, Stärke und Dominanz. Doch das ist falsch.

Der Grund: Vor Tausenden von Jahren war es überlebenswichtig, die Hände einer sich nähernden Person zu sehen. Nur so konnten wir seine Absichten erkennen. Wenn die Hände hinter dem Rücken versteckt waren, konnten sie zum Beispiel einen Stein, eine Keule oder andere gefährliche Gegenstände verbergen.

Deshalb misstrauen wir auch heute noch jemandem, der seine Hände hinter dem Rücken, in den Taschen oder unter dem Tisch versteckt. Auch in einem Büro oder bei geschäftlichen Treffen.

Bei einem Körpersprache-Experten schrillen die Alarmglocken, wenn er so etwas sieht! Auf diese Weise merkte auch Carol Kinsey Goman, eine amerikanische Körpersprache-Expertin, dass mit dem damaligen Apple-Chef Steve Jobs etwas nicht stimmte, als er seine Keynote im März 2011 hielt. Nachzulesen ist Carol Kinsey Gomans Artikel bei Forbes unter „The Gesture That Gave Away Steve Jobs“

Merkt euch: Wenn ihr von jemandem als vertrauenswürdig und ehrlich wahrgenommen werden wollt, dann achtet darauf, dass er immer eure Hände sieht. Wenn ihr die Hände hinter eurem Rücken versteckt, wird er euch als weniger vertrauenswürdig einstufen.

Körpersprache deuten: Berührung gleich Dominanz?

Kommen wir nun zum nächsten Mythos in der Welt der Körpersprache. Es wird immer wieder behauptet, dass Menschen in Machtpositionen ihre Dominanz dadurch demonstrieren, dass sie Andere berühren. Ein Chef zum Beispiel – so wird gesagt – berühre einen Mitarbeiter an der Schulter, wenn er an dessen Arbeitsplatz kommt, um mit ihm etwas zu besprechen.

Forschungen haben inzwischen das Gegenteil bewiesen. Vielmehr ist es so, dass Menschen mit niedrigerem Status eher dazu tendieren, ihr Gegenüber zu berühren.

Berührungen sind vor allem unter Frauen sehr verbreitet. Sie verbinden eine Berührung mit Wärme (vorausgesetzt, die Berührung ist wohlgesonnen) und legen eine Bedeutung hinein.

Was geschieht eigentlich genau in unserem Körper, wenn wir jemanden berühren, den wir mögen? In den letzten Jahren hat die Wissenschaft große Fortschritte gemacht, wenn es darum geht, gewisse Vorgänge in unserem Körper zu verstehen.

So hat man herausgefunden, dass das Hormon Oxitocin bei Berührungen eine sehr große Rolle spielt. Das Wort leitet sich ab vom altgriechischen ὠκύς (ōkys) für „schnell“ und τόκος (tokos) für „Geburt“. Die Schlussfolgerung ist klar: Dieses Hormon spielt eine große Rolle bei der Geburt.

Aber nicht nur dort! Das Oxitocin beeinflusst nicht nur das Verhalten zwischen Mutter und Kind, sondern auch in Partnerschaften und ganz allgemein bei sozialen Interaktionen.

Wenn wir einen Menschen, den wir mögen, berühren oder von ihm berührt werden, fließt das Oxitocin. Wir fühlen uns wohl und wollen mehr davon. Das kann dann so weit gehen, dass wir nicht genug vom Gegenüber kriegen. (Man denke dabei zum Beispiel an frisch verliebte Paare.)

Vielleicht habt ihr es schon bemerkt: Kellner und Kellnerinnen nutzen diesen Umstand oft, um ein höheres Trinkgeld zu bekommen!

Körpersprache deuten: Wer lächelt, ist glücklich, oder?

Wer glücklich ist, lächelt oft. Leider machen wir aber auch vielfach den Umkehrschluss: Wer lächelt, ist glücklich. Doch das muss nicht immer zwingend so sein.

Es gibt viele Erklärungen dafür, warum jemand lächelt. Wir lächeln nämlich auch mal, wenn wir ängstlich sind. Oder wir setzen ein verächtliches Lächeln auf. Auch wenn es uns schlecht geht, wir das aber nicht zeigen wollen, zwingen wir uns zu einem Lächeln.

Ich werde in der nächsten Zeit hier auf dem interaktionsblog.de noch näher auf diese Thematik eingehen und euch zeigen, wie man durch ein einfaches Lächeln so einiges bewegen kann. Ihr dürft gespannt sein! ;-)

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Sind Schnellsprecher Lügner?

Ich gebe es zu: Leute, die sehr viel und womöglich noch sehr schnell sprechen, mag ich nicht besonders. Das ist eine persönliche Abneigung; es gibt durchaus Leute, die dies anders sehen.

Und dann gibt es auch (überraschend viele) Menschen, die der Meinung sind, man könne Schnellrednern nicht trauen. Doch auch dies ist ein weit verbreiteter Mythos.

Nur weil jemand schnell spricht, heißt das noch lange nicht, dass er die Unwahrheit sagt.

Viel mehr Aufmerksamkeit sollte es erregen, wenn jemand sehr lange Pausen macht, oft ein „ähm“ einwirft und man richtiggehend merkt, dass er die einzelnen Sätze mit großer Anstrengung zusammenfügen muss. Hier konstruiert jemand eine Geschichte, die unter Umständen nicht ganz der Wahrheit entspricht.

Körpersprache lesen: Eure Meinung ist gefragt!

Wie ist eure Meinung zu den Mythen der Körpersprache? Teilt ihr meine Überlegungen? Seht ihr etwas anders als ich? Oder habt ihr vielleicht noch Ergänzungen?

Kommentare

  1. Wie beschrieben kann man die Körpersprache nicht generalisieren. Ich finde den Vergleich mit dem Hund sehr gut! Menschen reagieren ähnlich, kenne ich den Hund oder Mensch ist ein längerer liebevoller Augenkontakt angenehm für beide, kenne ich ihn nicht kann es bedrohlich oder fordernd wirken.
    Das heisst ja nicht das man am Anfang bei der Unterhaltung immer wegschauen soll, da hat das gegenüber das Gefühl nicht wahrgenommen zu werden. Wie bei den Hunden reichen „beschwichtigungsignale“ die nur durch ein paar Millisekunden „Augenblicke“ in eine andere Richtung deuten.
    Ich finde den Blick an sich wichtig schaut er „weich und liebevoll“ oder starrt er fordernd. Ich finde das oft innerlich unsichere Menschen starren bzw. fixieren um eine Dominanz auszustrahlen die sie nicht haben.

  2. Birgit Meßing sagt:

    Toller Artikel!
    Allerdings wäre ich mit der Behauptung, der den langen, intensiven Blickkontakt mit einem Lügner/einer Lüge gleichsetzt, vorsichtig.
    Hier sind Nuancen unbedingt zu unterscheiden.

    Intensiv, starrend, Unbeweglichkeit in der Mimik: Drohung, Lüge oder einfach Überzeugungswille.

    Intensiv, weich, lächelnd: Zuneigung, Sympathie, großes Vertrauen, Ehrlichkeit.

    Vermeidung Blickkontakt: Zuneigung(!), Unsicherheit/Schüchternheit, Eile, fehlende Sympathie.

    Fazit:
    Besser nicht auf einzelne Signale achten, sondern den GANZEN Mensch im Blick haben.

    Und nur ganz nebenbei bemerkt.
    Ein Blick ist gleichzusetzen mit einer Berührung (Blicke auf sich fühlen!)

    LG

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