Schwierigkeiten beim Lesen der Körpersprache

Probleme beim Lesen der Körpersprache

Im heutigen Artikel geht es um das Problem, die erlernten Körpersprache-Tipps im Alltag umzusetzen.

Letzte Woche erhielt ich ein Email von einer Leserin. Sie erzählte mir, dass sie meine Artikel zwar super spannend fände, aber ziemlich Mühe habe, die Tipps im Alltag dann auch anzuwenden. Sie wollte von mir wissen, was sie tun kann, um die Körpersprache ihrer Mitmenschen im täglichen Leben einfacher lesen zu können.

Ich schrieb ihr zurück, dass dies eine Thema ist, welches ich gerne mit einem Blogartikel beantworten möchte.

Nun, es ist tatsächlich nicht immer ganz so einfach; auch für mich nicht. Das Problem ist – wie so oft – der Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Ich weiß zwar, was es bedeutet, wenn jemand einen bestimmten Gesichtsausdruck zeigt. Und ich weiß, was es bedeutet, wenn jemand eine bestimmte Geste zeigt. Das ist aber erst die halbe Miete. Dieses Wissen muss ich auch im Alltag anwenden können.

Und diesbezüglich muss ich ganz ehrlich zugeben: Auch mir fiel das zu Beginn schwer. Es brauchte sehr viel Anstrengung und Konzentration, um in einem Gespräch auf all die kleinen Dinge zu achten, welche die Körpersprache ausmachen.

  • Wie häufig blinzelt mein Gegenüber?
  • Wohin schaut mein Gegenüber?
  • Welche Bewegungen machen die Lippen meines Gegenübers?
  • Was machen die Hände?
  • Was tun die Füße?
  • Welche Verhaltensänderungen beobachte ich?

Es ist ganz schön schwer, das alles gleichzeitig zu registrieren. Klar: Wenn ich mir eine Fernsehsendung anschaue, dann fällt es mir relativ leicht. Nehmen wir zum Beispiel Stern TV mit Steffen Hallaschka. Wenn der Hallaschka dort jemanden interviewt, merke ich rasch, an welchen Punkten die Leute unruhig werden und Gesten an den Tag legen, die auf Stress (und damit möglicherweise Unehrlichkeit) hindeuten. Hier habe ich selten bis nie Probleme damit, auf Cluster zu achten.

Bei solchen TV-Sendungen fällt es mir leicht, die Körpersprache der Gäste zu analysieren, weil ich mich auf das Zuschauen beschränken und somit meine ganze Konzentration dem Geschehen widmen kann. Im „echten Leben“ jedoch muss ich mich in einem Gespräch nicht nur aufs Zuschauen und -hören konzentrieren, sondern auch auf mein Gegenüber reagieren. Ich selber sollte ja auch am Gespräch teilnehmen. Und in solchen Situationen gerate ich dann oft an meine Grenzen. Mein Hirn ist da manchmal ein wenig überfordert.

Doch auch hier gilt wie so oft im Leben: Übung macht den Meister. Je öfter ich in solche Situationen gerate und je öfter ich diese Situationen dann meistere, desto besser werde ich darin. Und das gilt natürlich auch für euch!

Nutzt jede Gelegenheit, eure Körpersprache-Fähigkeiten zu trainieren; sei es im Café, im Büro, beim großen Familientreffen oder in der Bahn. Nutzt diese Möglichkeiten!

Euch sitzt eine Person gegenüber, deren Hosenbeine unten am Saum rund 5 Zentimeter hoch komplett nass sind. Was könnte das zu bedeuten haben? Regnet es draußen und die Person ist möglicherweise in eine tiefe Pfütze getreten? Oder ist es ein heißer Sommertag und die Person hat sich womöglich in einem Bach erfrischt? Welchem “Milieu” ordnet ihr die Person zu: Ist es ein Bauarbeiter, ein Büroangestellter, ein Schüler oder ein Obdachloser?

Was könnte die Person, die euch in der Bahn gegenüber sitzt, als nächstes vorhaben? Sucht nach Hinweisen! Ist die Person sehr schick gekleidet und geht möglicherweise zu einem Vorstellungsgespräch? Oder erkennt man unter ihrem Top ein Bikini-Oberteil; ein Hinweis darauf, dass sie unterwegs ist zum nächsten Baggersee? Vielleicht aber deutet das Fachbuch, welches das Gegenüber liest, darauf hin, dass die Person unterwegs ist zur Uni.

Nutzt jede Gelegenheit, die ihr habt, um eure Beobachtungsfähigkeiten zu trainieren! Wenn ihr Körpersprache-Experten werden wollt, ist dies von enormer Wichtigkeit.

Die Körpersprache ist von Mensch zu Mensch verschieden. Je nach Herkunft und kulturellem Hintergrund variiert sie. Außerdem gibt es Unterschiede zwischen Mann und Frau, Erwachsenen und Kindern oder Unterschiede, die sich aus Status und Rolle der Person ergeben. Lernt diese Unterschiede durch genaues Beobachten kennen!

Und auch die Videos von „Mr Bean“ eignen sich natürlich hervorragend, um Gesichtsausdrücke und Körpersprache zu studieren. ;-)

Ihr seid gefragt!

Mein heutiger Artikel ist deutlich kürzer als sonst. Das hat auch seinen Grund: Heute stehen eure Texte im Vordergrund. Unten in den Kommentaren möchte ich von euch wissen, welche Erfahrungen ihr im Alltag mit euren Körpersprache-Kenntnissen machen konntet. Könnt ihr eure Körpersprache-Kenntnisse im Alltag problemlos anwenden oder habt auch ihr manchmal Mühe?

Und was ich natürlich auch noch unbedingt wissen will: Habt ihr hier auf dem interaktionsblog.de schon Tipps gefunden, die ihr erfolgreich im Alltag anwenden konntet? Erzählt doch unten in den Kommentaren von euren Erlebnissen!

Kommentare

  1. Mir hats zu Beginn sehr geholfen die Beobachtungsfelder einzuteilen und zu beschränken. In einer Woche hab ich mich nur auf die Mimik konzentriert in der nächsten nur auf Gestik danach Sprache und weitere Indikatoren. Dann wieder derselbe Kreislauf. Irgendwann bemerkt man automatisch das Gesamte Spektrum.

Schreibe einen Kommentar

Google