Lohnt sich Lotto spielen?

Lohnt sich Lotto spielen?

Wenn die Leute wirklich verstünden, wie klein ihre Chancen auf einen Lottogewinn sind, würden sie nie einen Lottoschein kaufen. Der Einsatz, den wir leisten, steht in keinem Verhältnis zum Ertrag. Und trotzdem gibt es jede Woche auf der ganzen Welt Millionen von Menschen, die einen Lottoschein ausfüllen, in der Hoffnung auf den ganz großen Gewinn.

Das Geschäft läuft sehr gut! Für die Lottogesellschaften jedenfalls. Eine Lotterie anbieten zu dürfen, kommt einer Lizenz zum Gelddrucken gleich. Wie heißt es doch so schön in den Casinos? “Die Bank gewinnt immer.” Ist euch schon einmal aufgefallen, dass die Lotteriegesellschaften nie so viel Geld ausschütten, wie sie durch den Verkauf von Lottoscheinen einnehmen? Die Deutsche Klassenlotterie Berlin zum Beispiel nimmt jährlich rund 272 Millionen Euro durch Erlöse aus Spieleinsätzen und sonstige Umsatzerlöse ein, die Gewinnausschüttung beträgt aber nur rund 127 Millionen Euro.Das ist nicht einmal die Hälfte! (Quelle: Geschäftsbericht von lotto-berlin.de)

Trotzdem spielen die Deutschen jede Woche fleißig Lotto. Und die Lotteriegesellschaften reiben sich die Hände.

Die Lotteriegesellschaften nutzen hier einen simplen Denkfehler aus, den wir Menschen automatisch machen, ohne viel dafür zu können. Rolf Dobelli hat das in seinem Buch Die Kunst des klaren Denkens sehr gut beschrieben. Er nennt diesen Denkfehler “Availability Bias” oder “Verfügbarkeitsfehler”.

Der Availability Bias besagt Folgendes: Wir machen uns ein Bild der Welt anhand der Einfachheit, mit der uns Beispiele einfallen. Was natürlich idiotisch ist, denn draussen in der Wirklichkeit kommt etwas nicht häufiger vor, nur weil wir es uns besser vorstellen können.

Dank dem Availability Bias spazieren wir mit einer falschen Risikokarte im Kopf durch die Welt. So überschätzen wir systematisch das Risiko, durch einen Flugzeugabsturz, Autounfall oder Mord umzukommen. Und wir unterschätzen das Risiko, durch weniger sensationelle Arten zu sterben wie Diabetes oder Magenkrebs. Bombenattentate sind viel seltener, als wir meinen, Depressionen viel häufiger.
(Rolf Dobelli, Die Kunst des klaren Denkens)

Und was hat das nun mit Lotto zu tun?

Dank dem Availability Bias und der Sehnsucht der Menschen nach Reichtum verkaufen die Lotteriegesellschaften Jahr für Jahr zig Millionen Lose.

Sie machen das ganz clever: Wenn jemand im Lotto gewinnt, unternehmen die Gesellschaften alles, damit der Gewinner möglichst in der Öffentlichkeit steht und die anderen Lottospieler mitbekommen, dass da jemand mehrere Millionen Euro gewonnen hat. So hat jeder das Gefühl: “Doch, mit etwas Glück kann ich so reich werden, dass ich nie mehr arbeiten muss!”

Was die Lotteriegesellschaften dabei verschweigen: 1 Person hat zwar etwas gewonnen, aber 50 Millionen Personen haben nichts gewonnen. Über diese 50 Millionen Menschen liest man nie etwas. Wenn wir an “Lotto” denken, fallen uns immer nur die Gewinner ein. Das führt dazu, dass wir die Wahrscheinlichkeit, dass auch wir einmal zu den Gewinnern gehören, viel zu hoch einschätzen.

Merkt euch deshalb: Lotto spielen lohnt sich nicht. Investiert euer Geld besser in das Buch Die Kunst des klaren Denkens von Rolf Dobelli und lernt so die restlichen 51 Denkfehler kennen, die ihr besser anderen überlässt. 😉

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