Warum Männer nicht zuhören – und stattdessen immer nach einer Lösung suchen

Warum Männer nicht zuhören und Probleme suchen

Ein bekanntes Buch über die Unterschiede zwischen Männern und Frauen heißt „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“. Auch ich habe dieses Buch vor einiger Zeit gelesen und fand es ganz amüsant. Doch heute soll es nicht darum gehen.

Die Frage, die ich heute beantworten möchte, lautet: „Warum können Männer nie zuhören und suchen stattdessen immer gleich nach einer Lösung für die Probleme?“

Bild: (BY-NC-SA) Jeremy Blanchard

Ja, ich bin ein Mann. Und ja, ich habe einige Zeit gebraucht, bis ich realisierte, dass ihr Frauen nicht jemanden sucht, der stets Lösungen für eure Probleme bereit hat sondern einfach jemanden, der euch zuhört.

Doch was ist denn der Grund dafür, dass wir Männer immer gleich eine Lösung suchen, wenn uns eine Frau von ihren Problemen erzählt?

Eine typische Alltags-Situation

Du (als Frau) kommst gestresst und genervt nach Hause, weil dein Boss heute wieder einmal einen schlechten Tag hatte und seine Laune an dir auslassen musste. Und zu allem Übel erhielt deine Arbeitskollegin Anna auch noch ein dickes Lob von ihm. Ausgerechnet Anna, die Zicke, die ihre Arbeit immer den anderen überlässt und sich lieber um die Maniküre ihrer Fingernägel kümmert.

Jetzt möchtest du einfach nur noch auf die Couch sitzen, dich von deinem Freund in die Arme nehmen und sanft kraulen lassen, während du dir deinen Frust von der Seele redest, damit du den Tag vergessen kannst. Du willst einfach nur, dass er dir zuhört. So einfach ist das.

Kaum hast du angefangen, unterbricht dich dein Freund, um dir den Ratschlag zu geben, mit deinem Chef zu sprechen oder mit der Kollegin zusammenzuarbeiten, statt gegen sie zu stänkern. Er meint, das bringe dich eher weiter.

Wieso kann dein Freund nicht einfach die Klappe halten und zuhören, statt immer gleich nach Lösungen zu suchen?!?

Männer denken anders

Nun, Männer sind einfach so. Wir können nicht anders. Zwar ist uns Empathie nicht ganz so fremd, wie viele Frauen meinen, und wir verfügen auch über die so genannten Spiegel-Neuronen, zu denen ich in den nächsten Wochen hier auf dem interaktionsblog.de bestimmt noch zu sprechen kommen werde. Aber wir verfügen eben auch über einen sehr dominanten „Lösung-finden-Modus“, der sehr rasch die Kontrolle über unser Gehirn übernimmt. Dies hat Dr. Louann Brizendine (Psychologie-Professorin an der University of California in San Francisco) herausgefunden.

Das Empathie-Zentrum des Mannes ist so lange aktiv, bis wir irgendwo ein Problem erkennen. Dann übernimmt der „Lösung-finden-Modus“ die Kontrolle.

Oder um es ein wenig wissenschaftlicher auszudrücken: Die Temporoparietale Verbindung (TPJ) übernimmt die Kontrolle. Dieses Bindeglied zwischen dem Temporallappen und dem Parietallappen spielt eine große Rolle, wenn es darum geht, eine Annahme über Bewusstseinsvorgänge in anderen Personen vorzunehmen und diese in der eigenen Person zu erkennen, also Gefühle, Bedürfnisse, Ideen, Absichten, Erwartungen und Meinungen zu vermuten. (Quelle: Wikipedia)

Die Temporoparietale Verbindung aktiviert den „Analysiere-und-löse-das-Problem-Modus“. Der Mann sucht, wie von einer unsichtbaren Macht getrieben, so rasch es geht die Lösung für sämtliche Probleme, die sich ihm in den Weg stellen. Die Temporoparietale Verbindung hat regelrecht darauf gewartet, dass die Frau mit ihren Problemen und Sorgen nach Hause kommt! Der Mann ist hier schlicht und ergreifend nur noch eine Marionette seines eigenen Gehirns. Dass die Frau einfach nur möchte, dass er ihr zuhört, realisiert der Mann nicht.

So einfach ist das. ;-)

Welche weiteren Probleme zwischen Männern und Frauen siehst du? Und welche Lösungen schlägst du vor? Schreibe jetzt gleich einen Kommentar!

Kommentare

  1. Jochen Alex sagt:

    Hallo, danke für den Artikel. Ich gehöre wohl zu den Männern, bei denen der „Lösung-finden-Modus“ nicht so stark ausgeprägt ist.
    Jedenfalls kann ich auch sehr gut zuhören und bin dann auch nicht so sehr auf das Lösen von Problemen aus. Und das obwohl ich ein Mann bin (43, und verheiratet).
    Frauen formulieren ihre Wünsche ja auch anders, z.B wenn sie sagt „Wir haben keine Milch mehr“ dann weiss ich: Wir müssen Milch kaufen, am besten sofort!
    Auf einer anderen Seite habe ich mal gelesen, dass Männer diese Art von „indirekten Botschaften“ nicht verstehen. Also ich verstehe sowas sofort. Ich kann auch nicht nachvollziehen, wie man sowas NICHT verstehen kann.
    Manchmal frage ich mich, ob ich einfach nur „anders“ bin, oder ob es andere Gründe dafür gibt, warum ich gewisse Dinge verstehe, aber viele Männer eben nicht.
    Aber jeder Mensch ist anders. Die Welt wäre ja langweilig wenn alle Männer bzw. Frauen gleich wären.
    Gruss, Jochen

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