Lügen erkennen: Die Tricks der Geheimagenten!

Lügen erkennen: Die Tricks der Geheimagenten!

Lügen gibt es überall. Es vergeht kein Tag, an welchem wir nicht belogen werden. Es kann der Verkäufer im Elektronikmarkt sein, die Mitarbeiterin im Büro, der Sohn oder die Schwiegermutter. Doch diesen Lügen sind wir nicht schutzlos ausgeliefert! Die ehemaligen Geheimagenten Joe Navarro und Leo Martin kennen Tricks, wie auch du Lügen innerhalb kürzester Zeit erkennen kannst. Welche das sind, erfährst du in diesem Artikel.

Tatsächlich gibt es Techniken, mit Hilfe derer wir Lügen erkennen können. Und nicht nur das! Dank diesen Techniken schaffen wir es auch, die Wahrheit zu erfahren.

Wenn du weißt, wie diese Techniken funktionieren, wirst du in der Gegenwart eines Lügners die Täuschung sehr rasch erkennen. Dabei musst du nur auf ganz bestimmte körpersprachliche Signale achten und die richtigen Fragen stellen.

Was uns die Körpersprache erzählen kann

Bestimmt hast du schon Tipps gehört wie zum Beispiel “wenn jemand grinst, während er eine Frage beantwortet, dann lügt er” oder du hast schon Serien wie „Lie to Me“ geschaut, in denen die Charakter in der Lage sind, durch feinste körpersprachliche Signale Lügen aufzudecken.

Diese Serien erwecken den Eindruck, dass es Verhaltensweisen gibt, welche immer auf Täuschung hinweisen. Dem ist nicht so.

In Wahrheit gibt es kein einziges Erkennungsmerkmal, welches eindeutig ein Zeichen von Lüge ist. Auch nicht den angeblichen verräterischen Blick nach oben rechts. Dies erwähnte ich bereits früher im Artikel “Diese Geste verrät jeden Lügner”. Es gibt nur Erkennungsmerkmale dafür, dass jemand unter Stress steht, sich ärgert oder unwohl fühlt. Und es gibt Abweichungen vom gewöhnlichen Verhalten. Die Kunst liegt nun darin, diese Anzeichen und Abweichungen festzustellen.

Lügen können Stress und Unwohlsein hervorrufen, aber die Ursache für Stress könnte auch ganz woanders liegen. So beschreibt der Ex-FBI-Agent Joe Navarro einen Fall, in welchem eine Frau die oben erwähnten Stress-Anzeichen an den Tag legte. Schlussendlich aber stellte sich heraus, dass sie bloß nervös war, weil ihre Parkuhr abgelaufen ist.

Entsprechende körpersprachliche Signale sind also kein Beweis für eine Lüge, aber sie können auf Punkte hinweisen, die wichtig sein können. Dank diesen Signalen wissen wir, welche Fragen wir stellen müssen, um zur Wahrheit zu gelangen.

Wir können ganz klar sagen: Wer lügt, ist gestresst. Der Umkehrschluss hingegen ist nicht immer zutreffend; wer gestresst ist, muss nicht unbedingt lügen.

Leo Martin beschreibt das in seinem Buch “Ich durchschau dich! – Menschen lesen – Die besten Tricks des Ex-Agenten” folgendermaßen:

Die Lüge ist einer der komplexesten Prozesse, die unser Gehirn kennt. Lügen bedeutet, geistig immer doppelte, dreifache oder vierfache Buchführung halten zu müssen. Wer schon einmal versucht hat, eine Affäre vor seinem Partner geheim zu halten, weiß, wovon ich spreche. Wer lügt, ist belastet, geistig und körperlich. Er verhält sich, Berufsbetrüger ausgenommen, nicht so, wie er sich üblicherweise verhalten würde. Ob er will oder nicht: Wer lügt, muss sich zu hundert Prozent auf seine Geschichte konzentrieren. Deshalb fehlt im die Konzentrationsfähigkeit an anderen Stellen. Er kann nicht alles kontrollieren, was er müsste, um hundert Prozent authentisch zu wirken. Schon gar nicht seine Körpersprache. Und wie klingen Stimme und Intonation? So wie sonst oder anders? Die erlebte Geschichte ist abgespeichert und kann leicht abgerufen werden. Vorwärts und rückwärts und nicht chronologisch. Der Lügner muss, bevor er etwas sagt, immer erst einmal an die Wahrheit denken. Erst danach kann er konstruieren. Dabei muss er ununterbrochen Zusammenhänge, Abhängigkeiten, Wissensstände und Widersprüche überprüfen. Und er hat wenig Zeit. Eher gar keine Zeit. Das erzeugt Stress. Alles muss rasend schnell gehen. Und das Wichtigste: Er darf nicht auffallen, also Druck ohne Ende.

Pamela Meyer, die Autorin von Calibrate, welche Kurse rund um das Aufdecken von Lügen anbietet. Sie sagt, man solle ein heikles Gespräch damit starten, dass man harmlose Fragen stellt. Auf diese Weise erhält man eine Baseline; man sieht, welche Körpersprache das Gegenüber unter normalen Umständen an den Tag legt. Danach können die heikleren Fragen folgen, die sich um das kritische Thema drehen, welches man behandeln möchte. Dies kann zum Beispiel ein möglicher Drogenkonsum beim eigenen Sohn sein. Man kann diese Technik aber auch anwenden, um herauszufinden, ob der Verkäufer im Geschäft wirklich ehrlich ist oder ob die Bürokollegin diejenige ist, welche ein böses Gerücht über mich verbreitet hat. Dann merkt man sehr rasch, an welchen Punkten verdächtige körpersprachliche Signale auftauchen.

Der Beilmörder

Auch hier liefert Navarro ein Beispiel. In diesem Fall ging es um einen Mord. Man fand heraus, dass das Opfer mit einem Beil erschlagen wurde, aber man wusste nicht, wer der Täter war. Die Öffentlichkeit wurde noch nicht über die Tatwaffe informiert, deshalb konnten die Ermittler diesen Umstand im Verhör nutzen.

Anstatt die üblichen Fragen wie “Wo waren Sie zur Tatzeit?” zu stellen, fragten die Ermittler den Verdächtigen direkt:

  • Wenn Sie den Mord begangen hätten, hätten Sie dafür eine Schusswaffe benutzt?
  • Wenn Sie den Mord begangen hätten, hätten Sie dafür ein Messer benutzt?
  • Wenn Sie den Mord begangen hätten, hätten Sie dafür ein Beil benutzt?
  • Wenn Sie den Mord begangen hätten, hätten Sie dafür eine Machete benutzt?

Natürlich beantwortete der Verdächtige alle Fragen mit “Nein”. Das war nicht anders zu erwarten. Den Ermittlern aber ging es um etwas ganz anderes: Sie achteten darauf, welche körpersprachlichen Signale der Verdächtige zusammen mit den Antworten aussendete.

Nachdem die Ermittler das Beil erwähnten, senkte der Verdächtige seine Augenlider, ließ seine Augen länger geschlossen als bei den anderen Antworten, bevor er sich mit den Fingern die Augen rieb und die Frage mit “Nein” beantwortete.

Dieses körpersprachliche Muster reichte aus, um die Ermittler davon zu überzeugen, dass sie den Richtigen hatten. Nach ein paar weiteren Fragen, die den Verdächtigen immer mehr in die Enge trieben, gestand der Verdächtige die Tat.

Der Teenager

Die vorhin erwähnte Fragetechnik kann man aber nicht nur bei Mordfällen anwenden, sondern zum Beispiel auch beim eigenen Nachwuchs. Angenommen, wir vermuten, dass der Sohnemann Drogen nimmt, dann könnten wir ihn fragen:

  • Wenn du Drogen nähmest, würdest du Cannabis rauchen?
  • Wenn du Drogen nähmest, würdest du Heroin spritzen?
  • Wenn du Drogen nähmest, würdest du Kokain schnupfen?
  • Wenn du Drogen nähmest, würdest du Lösungsmittel schnüffeln?

Natürlich wird er alles abstreiten. Sobald wir aber bei einer Antwort ein entsprechendes körpersprachliches Signal erkennen, welches nicht zu den anderen Verhaltensweisen passt (Reiben der Augen, längeres Schließen der Augen, auf die Lippen beißen, etc…), können wir genauer nachhaken.

Selbstverständlich sagen wir ihm dabei nicht ins Gesicht: “Du lügst!” Sondern wir stellen einfach weitere Fragen, basierend auf seinen Antworten, bis wir zur Wahrheit gelangen.

Wie wir ein Geständnis erreichen

Doch wie bringen wir es fertig, dass jemand alles zugibt? Wie finden wir die Wahrheit heraus?

Sobald wir etwas gefunden haben, eine “Spur”, verfolgen wir diese mit weiteren Fragen.

Du hast zum Beispiel bemerkt, dass dein Ehepartner auf die Frage, ob er gestern wirklich bis 20:00 Uhr arbeitete, mit Stress reagierte. Die Gründe dafür können vielfältig sein; vielleicht erinnert ihn deine Frage an den Chef, der gestern schlechte Laune hatte; vielleicht befürchtet er, dass es auch heute wieder später werden könnte; vielleicht aber hat er Angst, dass sein Seitensprung mit der Sekretärin auffliegt. Es lohnt sich also, hier weitere Fragen zu stellen: Welcher Arbeit ist er denn so lange nachgegangen? Warum musste die Arbeit gestern beendet werden und konnte nicht bis heute warten? Wer war sonst noch so spät im Büro? Wird er in nächster Zeit öfters so lange arbeiten müssen? Und so weiter.

Wichtig ist, dass diese Fragen in einem möglichst neutralen Ton gestellt werden. Es gibt nichts Schädlicheres, als wenn in den Fragen bereits ein vorwurfsvoller oder verdächtigender Unterton zu hören ist. Das führt nur dazu, dass der Gesprächspartner sich uns gegenüber verschließt.

Durch gezielte Fragen, aufmerksames Zuhören und registrieren der körpersprachlichen Signale finden wir so nach und nach zur Wahrheit. Der Gesprächspartner wird auf diese Weise bald einmal das Gefühl haben, dass wir mehr wissen, die Wahrheit vermutlich bereits schon kennen und dass es für ihn besser ist, mit der Wahrheit herauszurücken.

Lügen sind alltäglich

Machen wir uns nichts vor: Wir werden täglich belogen. Und es ist schwer, immer die Wahrheit herauszufinden.

Aber nach dem Lesen dieses Artikels kennst du Techniken, um herauszufinden, bei welchen Punkten das Gegenüber Anzeichen von Stress an den Tag legt. Du weißt, welche Fragen du stellen musst. Die Körpersprache des Gegenübers hilft dir hier, näher an die Wahrheit zu gelangen. Dieses Wissen wird dir im Alltag eine große Hilfe sein.

Wenn du zu diesem Thema noch Fragen hast, stelle diese unten in den Kommentaren. Ich werde versuchen, alle eure Fragen zu beantworten.

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